raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Die Welle

Wir werden ja ziemlich oft gefragt, woher wir kommen. Nicht selten halten uns die Leute dann für ein australisches Pärchen, wenn wir mit „We are from Austria“ antworten. Speziell in Japan, auf den Philippinen und in Laos sagten wir dann immer schon „Austria, in Europe“ dazu, was aber auch nicht immer half – Österreich ist einfach eine zu kleine Nummer 😉 Interessanterweise haben wir einige Neuseeländer mit Bezug zu Österreich/Tirol kennengelernt und auch hier bei den Australiern scheint Österreich ein begehrtes Reiseziel zu sein, wie wir in mehreren Smalltalks erfahren haben. Für uns stand Australien ursprünglich gar nicht auf unserer Länder-To-Do-Liste, aber im Laufe der letzten Monate dachten wir uns, dass wir den roten Kontinent wohl doch nicht so einfach auslassen können, wenn wir schon so nahe sind. Und da sind wir – letzten Mittwoch in Sydney gelandet, vom Flughafen mit einem Taxi direkt zum Campervan-Vermieter und los ging’s!
Das Modell ist ein Toyota Estima, ein ähnlich großes Auto wie unser Nissan Serena in Neuseeland.

Die erste Nacht verbrachten wir am Colesdale Beach, etwas südlich von Sydney gelegen, denn unser Ziel waren die Figure Eight Pools. Den Besuch zu diesen natürlichen, perfekt achterförmigen Becken am Strand verschoben wir aber auf den übernächsten Tag aufgrund des Wetters und da wir doch den Jetlag merkten.
Obwohl wir uns am Donnerstag eigentlich ausrasten und organisieren wollten, hatten wir dann doch plötzlich schon wieder ein ausgefülltes Tagesprogramm – die Neugier war einfach zu stark. In der Früh staunten wir nicht schlecht, als Schwärme von weißen Kakadus über unseren Köpfen hinwegzogen und rote Papageien in den Bäumen hockten. Dann schauten wir uns die Sea Cliff Bridge an, fuhren weiter zum Kiama Blowhole und gingen dann noch im Minnamurra Reserve spazieren, wo wir noch auf einen Lyrebird, einem pfauähnlichen Vogel trafen. Die vielvältige Vogelwelt in Neuseeland war ja schon beeindruckend, aber was wir hier gleich am ersten Tag an Flattervieh gesehen haben übertrifft das noch mal mehr!

Wir mussten wieder halbwegs früh raus aus den Federn, denn zu den Figure Eight Pools kommt man nur bei Ebbe und man braucht etwa eine Stunde dorthin. Ein gut ausgebauter Wanderweg führt zunächst zum Strand hinunter, dann muss man über felsiges Gelände unter der Klippe vorbei, um zu den muschelübersäten Plateaus zu gelangen. Die Wellen vom Pazifik donnerten eindrucksvoll gegen die Wand aus Stein und das Wasser spritzte oft mehrere Meter hoch. Die Bedingungen müssen wirklich passen, um unbeschadet zu den Achter-Pools zu gelangen, die offizielle Risiko-Bewertung war aber für den ganzen Tag auf „low risk“. Als wir dann ankamen, zogen wir uns gleich die Schwimmsachen an, denn die Pools schauten super cool aus und wir wollten natürlich auch ein Foto, auf dem wir im Achter schwimmen. Das Wasser war ziemlich frisch, aber es ist ja auch schon fast Winter hier. Zwei- oder dreimal während wir im Becken planschten schwappten kleinere Wellen über den Rand des Plateaus und spülten frisches Meereswasser rein. Ich war gerade beim Fotografieren von Romana, die in einem „Miniatur-Achter“ wie in einer Badewanne hockte. Dann kam sie. Die Welle. Romana schrie mir noch irgendetwas zu, als wir schon beide vom Wasser erfasst wurden und über den scharfkantigen, muschelbewachsenen Boden mehrere Meter ins Landesinnere gespült wurden. Es war so schnell vorbei, wie es gekommen war. Nach ein paar Sekunden, die sich anfühlten wie in einer Waschmaschine, verlief sich das Wasser und ich kam zu liegen. Ich rappelte mich auf, bemerkte dass ich immer noch Romanas Kamera in der Hand hielt und mein Arm blutig war. Sofort schaute ich mich nach Romana um, die mehrere Meter weiter weg lag und ebenfalls unschöne Schürfwunden hatte und ziemlich panisch wirkte. Ich brachte sie zu den trockenen Sachen, die wir weiter hinten in Sicherheit gebracht hatten, merkte aber gleich, dass etwas nicht stimmte und Romana sagte, dass ihr Rücken schmerzte. Scheiße, hoffentlich nichts ernstes, dachte ich mir. Nach Begutachtung unserer gottseidank relativ kleinen äußeren Wunden und keinen sichtbaren Brüchen war mir gleich klar, dass das Hauptaugenmerk auf Romanas Rücken zu legen ist und wir ins Krankenhaus sollten, nicht, dass etwas mit der Wirbelsäule passiert ist. Sie klagte über Steifheit in den Rückenmuskeln und im Nacken. Mein Bauchgefühl sagte mit, dass es eher „nur“ ein Schleudertrauma war, aber mit meiner nicht existenten medizinischen Ausbildung sollte ich keine Diagnosen stellen. Ich suchte noch kurz mein wasserdichtes Handy, welches ich ebenfalls in der Hand hielt, als die Welle kam und fand es tatsächlich im Wasser. Leider war das Display halb kaputt, aber es zeigte noch etwas an. Meine Armbanduhr hat es mir ebenfalls heruntergerissen, aber da diese schon sehr alt war, suchte ich nicht nach ihr, besser, wir kommen bald ins Krankenhaus.

Romana schaffte es zum Glück ohne fremde Hilfe den Weg zurück zum Auto, auf dem Weg trafen wir einen Arbeiter, den wir fragten, wo das nächste Krankenhaus sei. Beim Auto angekommen wollte ich dann am Handy nachschauen, aber es war bereits tot und ließ sich nicht mehr einschalten… wahrscheinlich ist Salzwasser durch die kaputte Displayecke gekommen. Blöd, denn nur mein Handy hatte Internet und die SIM-Karte konnten wir nicht tauschen, denn es war eine eSIM (keine physikalische mehr). Am Parkplatz halfen uns dann andere Wanderer und zeigten uns den Weg. Zumindest Appetit und Hunger hatte Romana noch, was ja schon ein gutes Zeichen war. Das Sutherland Hospital war dann etwa 45 Minuten Autofahrt entfernt. Im Emergency Department (die Unfallambulanz) war dann relativ viel los und wir mussten zuerst den Papierkram und die Bezahlung machen. Zuerst kommt man zum Triage-Pfleger, der einen nach Dringlichkeit bewertet und eine Erstversorgung macht. Er meinte, dass wir zu den harmloseren Figure-Eight-Pool-Patienten gehören, bei anderen mussten schon Muscheln rausoperiert werden. Dann warteten wir über 2 Stunden, bis wir behandelt wurden. Unsere Wunden wurden von der netten Emma desinfiziert und versorgt. Sie sagte nur „Welcome to Australia“, als wir auch ihr unsere Unfallgeschichte erzählten. Romana wurde noch abgetastet und da die Verspanntheit schon etwas nachgelassen hatte und nichts festgestellt wurde, waren wir schon beruhigt und wurden danach entlassen. Was haben wir daraus gelernt? Erstens: „Low risk“ ist nicht „no risk“ und zweitens: Kehre in Australien dem Meer nie den Rücken zu. Wir haben uns einfach schon in falscher Sicherheit gewähnt, nachdem wir schon einige Zeit bei den Pools waren, ohne, dass etwas passiert ist. Mit einer solchen Riesenwelle haben wir einfach nicht mehr gerechnet. Die Kamera von Romana ist leider komplett geflutet worden, ebenfalls das noch teurere Objektiv… aber das sind nur materielle Schäden, glücklicherweise ist es für uns nochmal halbwegs glimpflich ausgegangen.

Wir besorgten uns noch eine neue SIM Karte, denn wir hatten noch keinen Campingplatz gebucht und es war schon fast dunkel (ab 17:30 ist es zu dieser Jahreszeit dunkel). Zum Glück war einer gleich in der Nähe und hatte noch einen Platz frei. Für Samstag war eine Free Walking Tour durch Sydney geplant und Romana fühlte sich fit genug um diese anzutreten. Der Guide Scott erzählte die geschichtlichen Hintergründe wirklich auf eine witzige Weise. Der Abschluss der bisher besten Free Walking Stadt-Tour war dann mit Blick auf das berühmte Opernhaus, dessen Bau im Endeffekt 14 Mal so viel gekostet hat als geplant – fast eine Milliarde Dollar. Im Anschluss probierten Romana und ich noch Känguru- und Krokodilfleisch beim Markt. Beides schmeckte ausgezeichnet, das Känguru wie Rind und das Krokodil wie Huhn. Bei einem Besuch in Sydney darf natürlich die Harbour Bridge nicht fehlen, auf die gingen wir (jedenfalls bis zur Mitte) zu Fuß. In einem JB-Hifi Elektronik-Geschäft kauften wir noch ein neues Handy für mich. Eine Kamera für Romana werden wir eher erst in Österreich wieder besorgen.
Im Hungry Jacks (der australischer Burger King) versuchten wir einen Campingplatz für die Nacht zu buchen, aber am Wochenende scheint so kurzfristig in der Umgebung von Sydney nichts mehr frei zu sein. Es war etwas frustrierend, denn es war schon wieder spät und wir waren müde…

Wir entschlossen uns, noch die weite Fahrt in die Blue Mountains auf uns zu nehmen, denn dort gibt es einen Gratis-Campingplatz mit freiem Zugang. Die Fahrt aus der Stadt war so richtig anstrengend, alle paar Meter eine Ampel und 5 bis 6-spurige Straßen mit viel Verkehr! Nach zweieinhalb Stunden kamen wir im Dunkeln an, beim Aussteigen merkten wir schon wie kalt es war. Eine bitterkalte Nacht stand uns bevor, wir hatten gar nicht damit gerechnet, dass es so eisig wird in der Nähe von Sydney, aber wir waren ja doch auf über 1000 Meter…
Am nächsten Tag machten wir eine Wanderung durch den „Grand Canyon“, die Landschaft schaut hier echt anders aus, so hatten wir das noch nie gesehen. Die Berge sind nicht so wie bei uns, sondern eher Plateaus, dafür sind die Täler umso gewaltiger. Die vielen Aussichtspunkte an der mehreren hundert Meter hohen Abbruchkante lassen einen staunen! Der Besuch bei den bekannten „Three Sisters“ in Katoomba gestaltete sich als extrem touristisch, Horden von Asiaten ließen uns eher zügig zu unserem Van zurückkehren.

Den nächsten Tag relaxten wir auf einem Campingplatz im Hunter Valley, da wir die letzten Tage doch sehr viel Stress hatten.
Der Unfall hatte uns irgendwie total aus dem Konzept gebracht und wir hatten überhaupt keinen Rythmus mehr.
Romana hatte immer noch mit starken Verspannungen im Nacken bzw. Rücken zu kämpfen und ein Tag ohne Programm tat uns gut. Außerdem musste das neue Handy eingerichtet werden.
Am nächsten Vormittag fuhren wir zum Blackbutt Nature Reserve in Newcastle, bei dem es Kängurus, Wallabies (kleine Kängurus), Vögel und Wombats zu sehen gibt. Der lustige Tierpfleger erzählte uns erstaunliche Dinge über die Wombats, dass sie zum Beispiel extreme Muskelpakete sind, und wenn es nicht so falsch wäre, er schon längst eines geritten hätte 😂

Am Nachmittag verschlimmerte sich Romanas Zustand wieder und eine Schwellung im Nacken ließ uns besorgt werden. Hätten wir doch ein Röntgen machen lassen. Wir entschlossen uns, nochmal das nächste Krankenhaus aufzusuchen, um auf Nummer sicher zu gehen. Im Maitland Hospital warteten wir dann sage und schreibe sieben Stunden (!), bis wir einen Arzt sahen. Um Mitternacht verließen wir nach fast 10 Stunden das Krankenhaus in dem Wissen, dass nichts gebrochen war und die Schwellung nur vom Gewebe ausging. Wenigstens das, aber wir wären beide fast durchgedreht bei der Warterei. Wir verbrachten die Nacht einfach auf dem Krankenhaus-Parkplatz, wo hätten wir denn um diese Zeit noch hin sollen?

Am Mittwoch Vormittag schickte ich Romana in Port Macquarie in eine Infrarot-Kabine in einem Day Spa. Nachmittags gingen wir ins Koala-Hospital, in dem zur Abwechslung mal nicht wir, sondern kranke oder angefahrene Koala-Bären behandelt werden.
Für den Donnerstag planten wir eine Fahrt auf dem Waterfall Way ins Landesinnere. Während Romana ihre zweite Infrarot-Sitzung hatte, fuhr ich zur Bibliothek in Port Macquarie und konnte dort die Fotos von der SD-Karte von Romanas zerstörter Kamera sichern. Wenigstens die Fotos wenige Sekunden vor der Monsterwelle blieben uns erhalten. In den Nationalparks dort sahen wir dann endlich haufenweise wilde Kängurus und Wallabies (der Unterschied scheint in der Größe zu sein). So toll wie sie sich fortbewegen – als ob sie Sprungfedern eingebaut hätten.

Da hüpfen sie, die Kängurus (oder Wallabies?)

In der Nacht im Cathedral Rock Nationalpark sind wir wieder halb erfroren, trotzdem, dass wir zum Schlafen alles an Kleidung inkl. Daunenjacke anließen. Aber der Campingplatz war sehr friedvoll in toller Natur, sogar Feuerholz und Feuerstellen waren bereitgestellt. Wir standen früh auf, um bei Sonnenaufgang auf den Cathedral Rocks zu stehen. Auf dem Rückweg kamen wir mehreren Kängurus sehr nah, eines ließ sich beim Fressen überhaupt nicht von uns stören – echt cool! Nach den Wollomombi Falls schliefen wir auf einem tollen und günstigen, vom Oldtimerclub betriebenen Campingplatz in Grafton.

Heute machten wir einen Abstecher zum Aussteigerdorf Nimbin. Dort sind überall hängengebliebene Hippies und alternative Läden mit Kifferzubehör zu finden. Es dauerte nicht lange, bis uns auf der Haupstraße alle paar Meter jemand Gras verkaufen wollte. Sogar eine Hippie-Oma bot uns „Cookies“ und Ganja an. Schräg!

Die letzten verbleibenden Tage an der Ostküste werden wir wahrscheinlich noch etwas nördlich von Brisbane verbringen, bevor wir mit dem Flieger nach Perth gelangen, um uns den wilden Westen anzuschauen.

Das war wohl der längste Beitrag bis jetzt – wir sagen danke fürs Durchhalten und hoffen, wir können euch auch mit dem nächsten Beitrag auf unserer Reise mitnehmen!

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  1. Maria

    Gott sei Dank ist nicht mehr passiert! Wieder ein ganz toller Bericht, bei dem man mitleben kann und viel Interessantes erfährt!
    Viel Spaß auf der Weiterreise, freue mich auf den nächsten Bericht!
    LG

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