raus aus dem alltag – rein ins abenteuer!

Bitte, bitte halte durch!

Ihr fragt euch sicher, was uns denn jetzt schon wieder passiert ist. Bevor wir euch aber verraten, warum wir schon wieder so einen reißerischen Titel für den Beitrag gewählt haben, sei gesagt, dass es zum Glück nicht um ein Menschenleben ging. Übrigens, die gemeinsame Suche nach einem passenden Titel ist immer das Schwierigste, macht aber irgendwie Spaß. Wir überlegen ja, dass wir als Andenken unserer Reise ein Buch mit den besten Fotos und den Beiträgen als Text gestalten. Wir sehen ja dermaßen viel in recht kurzer Zeit, da hilft uns die Schreiberei und das Aussortieren der Fotos schon beim Verarbeiten des Erlebten.

Die Ortschaft Carnarvon hat nicht mehr viel zu bieten, außer das Space and Technology Museum. Von der Bodenstation hier aus wurden die Gemini und Apollo-Mondmissionen überwacht. Die endlose Fahrt ging weiter Richtung Coral Bay. Unser nächstes interessantes Ziel aber war die Turquoise Bay, die als einer der besten Strände in ganz Australien gilt. Am türkisen Sandstrand braucht man nur ein paar Meter ins Meer hinausschwimmen, dann kann man sich von der Strömung durch das Ningaloo Reef treiben lassen und wunderbar die vorbeiziehende bunte Unterwasserwelt genießen, Drift-Snorkelling nennt sich das. Da waren ganz schön große Brocken an Fische dabei!

Fischschule beim Strömungsschnorcheln im Ningaloo Reef

In Exmouth haben wir nur aufgetankt, die Lebensmittel aufgefüllt und sind kurz beim Leuchtturm stehen geblieben. Dort liegen noch gestapelte Sandsäcke vom Zweiten Weltkrieg, die mittlerweile aufgrund der Trockenheit wie versteinert sind. Wir fuhren dann noch gute zwei Stunden im Dunkeln weiter, was wir eigentlich aufgrund der Tiere auf der Straße vermeiden wollten, aber die Strecke zu unserem letzten Punkt auf der Liste war einfach dermaßen weit. Und “weit” bedeutet 8 Stunden fahren durch die Wüste, ohne dass irgendwas Nennenswertes auftaucht. Der besagte letzte Punkt auf unserer Liste war der Karijini Nationalpark, in dem es gewaltige Schluchten zu bestaunen gibt. Ein guter Ausgangspunkt dafür ist die Bergbau-Stadt Tom Price, in der wir beim Campingplatz dann übernachteten. Eisenerz wird hier massenhaft abgebaut vom berüchtigten Rio Tinto Konzern.

Riesiger Adler mit seiner Aas-Beute

Eigentlich wollten wir am gleichen Tag noch zur Hamersley Gorge (Gorge heißt auch Schlucht auf Englisch), aber die Straße dorthin ist über 70 Kilometer Schotterstaße in schlechtem Zustand und wird nur für Allradfahrzeuge empfohlen, wie wir an der Rezeption erfuhren. Schade, aber mit unserem Mietauto dürften wir sowieso keine längeren Schotterstraßen befahren. Von Tom Price ist es nur noch eine gute Stunde in den Nationalpark. Am nächsten Morgen dort angekommen gingen wir dafür gleich in die Hancock Gorge. Wir brauchten einen Bruchteil der angeschriebenen Zeit, aber das liegt vielleicht daran, dass wir zwei Tiroler Gämsen sind im Vergleich zu den oft übergewichtigen Australiern. Da wir so schnell waren, schauten wir uns sogar auch noch die Dales Gorge an, bevor wir uns im Dales Campground zwischen die Monster-Offroad-Jeeps einreihten. 

Im Laufe des Tages bekamen wir eine SMS mit der Hiobsbotschaft, dass die gebuchte Fähre auf Rottnest Island für unseren letzten ganzen Tag in Australien aufgrund des Wetters nicht fahren kann. Romana war todtraurig und nicht mehr zu trösten, denn nur auf Rottnest Island kann man den immer lachenden Quokkas in freier Wildbahn begegnen. Hätten wir den Besuch der Insel nur am Anfang unseres Trips in Westaustralien gemacht! Jetzt musste ich mir was einfallen lassen… Flug verschieben? Möglich, aber teuer und der Wetterbericht für die nächsten Tage ist auch nicht besser. Vielleicht gibt es in Perth einen Zoo mit Quokkas? Google lieferte dann zwei Treffer, der Caversham Wildlife Park scheint die bessere Bewertungen zu haben. Auch wenn wir mittlerweile keine Fans von Zoos mehr sind, konnte ich Romana dann mit dem Vorschlag besänftigen, in der Hoffnung, dass wir dann hoffentlich Quokkas zu sehen bekommen werden.

Am 8. Juni standen wir dann zeitig auf, was für mich aber kein Problem war, denn ich war wie seit Tagen um kurz nach 5 Uhr komplett munter. Uns stand nämlich die längste Autofahrt überhaupt bevor. Alles, was wir bis jetzt in den Norden gefahren sind, mussten wir jetzt innerhalb von zwei Tagen wieder zurück nach Perth fahren. Google Maps berechnete 1412 Kilometer in 15 Stunden über den Great Northern Highway. Eh nur 😂 Das entspricht einer Strecke von Innsbruck bis Barcelona. Der Great Northern Highway ist mit seinen 3204 km eine der abgelegensten Fernstraßen weltweit und führt eigentlich nur durch Wüste – hauptsächlich befahren von fast 60 m langen LKW-Zügen, die zu den zahlreichen Minen fahren. Uns kamen oft häusergroße Sondertransporte entgegen, die die komplette Straße brauchten.

Immer wieder Sondertransporte, die dem ganzen Highway brauchen

Wir fuhren um 7 Uhr los und kamen etwa zwei Stunden weit, bevor plötzlich das Auto einen Ruck machte, bremste und zwei orange Warnlampen angingen. Oh nein, bitte nicht. Nicht hier mitten im Nirgendwo. Es waren die Motorwarnleuchte und das Symbol der Traktionskontrolle. Wir parkten am Straßenrand und checkten Ölstand, Kühlerwasser und Riemen, alles in Ordnung. Handyempfang hatten wir natürlich keinen, um die Vermieterfirma anzurufen. Was sollen wir jetzt machen? Jemanden aufhalten? Weiterfahren? Man hört ja immer, dass man bei leuchtendem Motorsymbol nicht mehr weiterfahren soll… Wir probierten es einfach. Mit ultra-langsamer Beschleunigung ließ sich das Auto anfahren, zum Glück keine komischen Geräusche oder Gerüche. Maximalgeschwindigkeit etwa 80 km/h, unser Toyota war offensichtlich im Notbetrieb. Wir fuhren dann zum nächsten Rastplatz, wo wir einen Trucker fragten, was er von der Sache hält und ob wir so bis Newman kommen, der nächstgelegenen Ortschaft/Stadt in gottseidank nur 40 Kilometer Entfernung. Der nette Lastwagenfahrer ließ uns mit seinem Handy unsere Hilfe-Hotline anrufen und der Mann am Telefon sah dann irgendeinen Errorcode bei unserem Fahrzeug, meinte aber auch, dass wir bis Newman fahren sollen. Also wurden wir schon die ganze Zeit mit Telematik überwacht, hätten wir uns auch nicht gedacht! Auch kam die Erkenntnis, dass wir uns für den falschen Mobilfunkbetreiber entschieden hatten, denn im Gegensatz zu Optus hatte Telstra auch hier in den abgelegensten Regionen Empfang. Sollte man in Zukunft vielleicht mitbehirnen…

Also fuhren wir im gefühlten Schneckentempo nach Newman, in der Hoffnung, dass uns dort jemand halbwegs schnell helfen kann, denn der Weg ist noch weit! In Newman riefen wir wieder die Hotline an, es hieß, dass es wenig Pannenhilfe-Kapazitäten gäbe und irgendein größerer Unfall passiert sei. Es werde sich aber jemand melden. Es rief dann sogar jemand vom RAC an, was der Automobilclub hier zu sein scheint, aber es hieß geduldig bleiben. Toll. Nach einer Stunde wurde es uns zu bunt und wir riefen wieder an. Diesmal war eine Dame dran, die uns zuerst im System mit der Fahrzeugnummer wieder nicht finden konnte – wenigstens mit dem Namen fand sie uns dann. Sie beschwichtigte uns freundlich und sagte, dass sie sich melden. Wir jausneten und gingen inzwischen einen Eiskaffee trinken, für Indonesien Sachen organisieren, einfach das Beste aus der Situation machen. Am Nachmittag kam dann eine E-Mail, dass heute nichts mehr passieren wird und keiner mehr kommen wird. Super, morgen ist Sonntag und wir sind eh nur noch 12 Stunden von Perth entfernt. 🙈 Wir konnten dann zumindest aushandeln, dass wir weiterfahren dürfen, sonst schaffen wir es bis zum Rückflug am 11. Juni nie!

Der halbe Tag verschi****, aber wir machten dann doch noch weitere 2 Stunden Fahrzeit vor Dämmerung gut und schliefen an einem 24h Reststop “im Busch”, von denen es in Western Australia einige gibt.

Den ganzen Sonntag fuhren wir durch, etwa alle 2-3 Stunden Fahrerwechsel. Unsere längste Fahrt bis jetzt ging besser als wir dachten, zwischen 80 und 100 km/h schafften wir im Flachen, bei Steigungen schaffte das Auto im seinem Notmodus aber nur mehr 50… Immer wieder dachten wir: “Bitte liebes Auto, bitte halte durch bis Perth!”, denn Ray von der Pannenhilfe meinte, dass es schon mal einen Tag dauern kann, bis der Abschleppwagen da ist. Und tatsächlich schafften wir es unbeschadet um 20:00 an den gebuchten Campingplatz in Fremantle unter Perth. Hallelujah!

Am 10. Juni morgens besichtigte ein RAC Mechaniker dann vor dem Zoo das Auto und stellte fest, dass irgendwelche Ratten ein Kabel durchgebissen hatten… 

Romana amüsierte sich inzwischen mit den Quokkas im Tierpark 😂

Abends probierten wir noch Känguru- und Emu-Steak im Outback Jacks, beides schmeckte fast identisch wie Rind und wurde uns medium-rare empfohlen. Gerade beim Fleisch vom Riesenvogel Emu hätten wir uns nicht gedacht, dass es so ausgezeichnet schmeckt.

Bei der Rückfahrt durch die Stadt blitzte es an der Kreuzung, an der wir wohl noch zu lange bei Orange gefahren sind, es war schon “Kirschorange” sozusagen. Wir werden sehen, ob uns die Vermieterfirma noch einen saftigen Liebesbrief zukommen lässt.

Beim Schreiben dieses Blog-Eintrags sind wir gerade im Landeflug auf Bali, aber schon morgen geht es weiter auf die kleinere Insel Nusa Penida, die ein Hammer zum Tauchen sein soll. Wir haben ambitionierte Pläne, den nächsten Tauchschein “Advanced Open Water Diver” zu machen, und das an einem der besten Tauchspots der Welt!

Rückblickend auf Australien kann man wohl sagen, dass dies das erste Land war, in dem wir öfters Pech hatten oder besser planen hätten sollen. Am Anfang gleich die Welle, die uns ziemlich erwischte und Kamera, Handy und Uhr zerstörte. Im Schlamm stecken geblieben, die Autopanne und die gestrichene Fähre sind weitere Beispiele. Als schlechte Planung kann man den falschen Provider für den Westen und die saukalten Nächte nennen, mit denen wir nicht gerechnet hatten. Aber man kann aus allem etwas lernen, und wir sind wieder um viele Erfahrungen reicher, die wir sonst nie gemacht hätten.

Fazit Australien

Was uns gefallen hat:

  • Das “Wildlife”: Die Tierwelt ist schon etwas Besonderes gewesen, ob die ganzen Beuteltiere wie Känguru, Koala oder Quokka oder auch die Vögel und Emus. Krokodile haben wir nicht gesehen, die sind noch weiter im Norden, wo es tropisch wird.
  • Die beeindruckenden Landschaften, in denen sich plötzlich riesige Schluchten auftun.
  • Die vielen Nationalparks
  • Die Bedienungen in Geschäften und Rezeptionen waren auffallend höflich und kompetent. Hier ist vieles einfach sehr gut organisiert (OK, außer vielleicht die Krankenhäuser)

Was uns weniger gefallen hat:

  • Das Verkehrsaufkommen in den Ballungszentren war sehr hoch und man steht alle 10 Meter bei einer Ampel
  • So schön die weitläufigen Landschaften auch sind, man fährt halt zwischen den Sehenswürdigkeiten länger als durch manch ganze Länder
  • Gleich wie in Neuseeland gibt es keine tolle Küche, Burger und Pommes dominieren den Alltag vieler Australier.
  • Viele Campingplätze sind sehr teuer für das, was sie bieten. Wildcampen ist (zumindest ohne Geländeauto) sehr begrenzt möglich und oft nicht erlaubt

Vorheriger

Australiens Wilder Westen

Nächster

Manta, Manta

  1. Helmut und Astrid

    Super toller Reisebericht den ihr wieder geschrieben habt.👍 Genießt die letzten Wochen vor dem Heimflug. Alles Gute MaPa

  2. Toni

    Ich denke, ihr habt jetzt alle Probleme eurer Tournee in Australien kompensiert und jetzt gehts munter weiter- alles Gute weiterhin

  3. Petra

    Ich glaube, dass Neuseeland da eindeutig das Rennen gemacht hat ……
    Und nun viele tolle, unfallfreie Erlebnisse in Indonesien!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Präsentiert von WordPress & Theme erstellt von Anders Norén